Hier nun das versprochene Interview mit Sebastian von Gods of Blitz. Am Tag ihres letzten Gigs im Lido, dem 27. Mai, haben wir uns vor dem Soundcheck mit ihm zusammengesetzt, Fotos gemacht, und ein wenig unterhalten. So waren wir neugierig, wie es zu den beiden Auftritten kam, zur Entscheidung nach Göteborg zu ziehen, und was in der Zukunft so ansteht. Er hat sich super viel Zeit genommen und sprichwörtlich aus dem Nähkästchen geplaudert ;)
Durch die Länge des Interviews werden wir es auf drei Posts verteilen. Sebastian hat uns so offen Rede und Antwort gestanden, dass wir euch davon ungern etwas vorenthalten möchten. Dies ist also der erste Streich…
Ein kurzes Comeback von Gods of Blitz. Sag, wie kam es zu der Entscheidung, sich für die beiden Konzerte noch einmal zusammen zu tun?
Sebastian: Ich traf mich letzten Sommer mit unserem alten Manager. Wir haben über tausend Sachen geredet, und am Ende hat er den Wunsch formuliert, dass er uns irgendwann gerne nochmal live sehen würde. Das habe ich erstmal ein wenig auf die lange Bank geschoben. Als ich im Oktober dann in Paris war, rief er mich nochmal an und meinte „komm, lass uns das doch mal bitte machen“. Ich habe ja gesagt, alle anderen hatten auch Bock, und wir haben uns hier in Berlin getroffen und alles ziemlich schnell entschieden. So auch, dass wir ins Lido gehen, weil das schon immer unser Lieblingsclub war. Auch wussten wir, dass wir nur dieses eine Konzert machen, no strings attached. Es ging nicht darum Sachen aufzuwärmen, oder irgendwas Neues zu formulieren, sondern lediglich um eine Live Performance. Doch dann war es ratz fatz ausverkauft. Wir wussten zwar, dass wir ein paar Leute ziehen würden, aber dass es so viele werden würden, dass wussten wir nicht. Eine super schöne Sache. Bedeutet wohl, dass wir damals viel richtig gemacht und eine guten Eindruck hinterlassen haben.
Zuvor gab es eine kleine Show in Hannover..
Sebastian: Ja, eine halb heimliche Show, zwei Tage vor der Ersten in Berlin. Wir dachten wir spielen ein Warm Up, damit wir uns hier nicht blamieren. Dort ging es dann aber derartig durch die Decke. Die Leute waren so am Start, dass wir mit einem richtig guten Gefühl und großem Selbstvertrauen nach Berlin kamen. Was vorgestern passiert ist, ist schon legendär.
So wie Ihr es Euch vorgestellt habt?
Sebastian: Sogar noch besser. Die gesamte Vorbereitung war so entspannt und auch hinterher hatten wir so viel Spaß. Bei der After Show Party am Freitag haben alle getanzt. Ich möchte es nicht unnötig hypen, aber für unsere Verhältnisse waren wir extrem gut aufgestellt. Das heute Abend wird super.
Sozusagen ein Heimspiel.
Sebastian: Ganz genau :)
Du bist damals der Liebe wegen zwischen Berlin und Göteborg gependelt. Letztendlich fiel die Entscheidung auf Göteborg als Wahlheimat. Eine Herzensentscheidung oder durchaus in Kombination mit der Lust auf etwas Neues auf musikalischer Ebene?
Sebastian: Beides, es war tatsächlich Beides. Damals, als wir noch mit Gods of Blitz auf Tour gingen, war ich schon seit zwei Jahre mit meiner Frau zusammen. Das erste Jahr ist sie gependelt, das zweite Jahr dann ich. Zu der Zeit gab es noch nicht die airberlin Verbindung und wir mussten immer 13 Stunden mit dem Reisebus fahren. In meinem Fall war es oft so, dass wir im Sommer irgendwo ein Festival spielten, und während alle anderen Sonntags zurück nach Berlin fuhren um sich ins Bett zu legen, habe ich mich in den Reisebus gesetzt und bin morgens um 9 auf dem Göteborger Bahnhof angekommen und hab mich wie ausgekotzt gefühlt. Da brauchte ich dann erstmal einen Tag um mich zu erholen, die Sinne zu sammeln und auch Sachen Revue passieren zu lassen.
Klingt nach einer anstregenden Zeit.
Sebastian: War es. Da konnte ich gar nicht so richtig an etwas teilnehmen. Ich habe ja ein Stiefkind. Meine Frau hat ein Kind aus einer vorherigen Beziehung. Jedenfalls war ich dann erstmal nicht richtig am Start. Das war eine Belastung für die Anderen und für mich ja sowieso. Am Ende war im Prinzip dann physisch und emotional Ende-Gelände. Hat zudem ja auch eine Stange Geld gekostet das hin und her reisen. Wir hatten zwei Platten gemacht und wirklich schon 3 ½ Jahren mit der Band ganz hart gearbeitet - eigentlich Non-Stop.
Du hast in Göteborg dann ziemlich schnell eine neue Band gegründet - Fox Machine
Sebastian: Als ich noch pendelte, hatte ich in Göteborg schon viele Leute kennengelernt. Ich bin ein sozialer Typ und knüpfe schnell Kontakte. Dort gibt es so viele Musiker und meine Frau ist ja selbst Sängerin, Künstlerin und Grafik Designerin. Sie kennt natürlich ganz ganz viele Künstler und Musiker. So hat z. B. Ebbot von The Soundtrack of Our Lives ihre erste Platte produziert. Das ist so das Netzwerk. Da fühlte ich mich gleich super aufgehoben.
Ja, und als ich dann nach Göteborg umgezogen bin, hab ich ganz schnell die Leute von Fox Machine getroffen. Da war für mich auch schnell klar, dass ich eigentlich nahtlos weitermachen kann. Wir haben uns getroffen und, im Laufe des Frühjahrs 2008, für die ersten Sessions zusammengefunden.
Ging ja alles recht schnell. Way Out West im Folgejahr, dann die Tour mit The Soundtrack of Our Lives hier in Deuschland.
Sebastian: Ja, das erste Jahr war extrem rasant. Im Sommer 2008 waren wir in Berlin und haben im Chez Chérie Studio aufgenommen. Mir ging es gleich darum die anderen hierher zu holen, damit sie den Berliner Flair, das Lockere, Wilde und Freie, mitbekommen. Das ist geil zum Musik machen. Einfach loslassen und mal aus dem gewohnten Umfeld herauskommen. Aber eigentlich musst Du ja sowieso nie einen Schweden überreden nach Berlin zu kommen, das finden alle toll :) Für mich war es auch eine gute Nummer, weil ich die Leute aus dem Chez Chérie liebe und supporte.
Und wie läuft das so in Göteborg mit neuen Bands?
Sebastian: Diese bekommen sofort die Bookings. Weil erstmal jeder interessiert ist. Eigentlich bedeutet es für eine neue Band gleich bei den ersten zwei Shows Furore zu machen. Wir hatten Glück. Bei unserer ersten Show spielten wir gleich an einem Club-Abend, wo 350 Leute da waren. Dann haben wir direkt 15 Songs geschrieben. Einfach immer peu a peu. Und das im Sommer. Dazu muss man wissen, dass im Sommer in Schweden echt der Hammer fällt, und keiner irgendetwas macht. Denn die paar Monate, wo es dann mal schön ist, versuchen die Leute zu nutzen. Wir wurden nur einmal unterbrochen, als uns Gitarren geklaut wurden. Das hat uns ein bisschen Knüppel zwischen die Beine geschmissen. Aber ein paar Monate später hatten wir das Geld zusammen und konnten Neue kaufen.
Olle, unser Pianist, ist auch häufig mit The Soundtrack of Our Lives auf Tour, wenn z. B. deren Pianist mal wieder ein Kind gekriegt hat ;) Es gibt zig Querverbindungen. Der aus jener Band hat schon mit dem aus der Band gespielt. Das ist unglaublich cool. Das ist ein Netzwerk. Das hilft sehr. Du kannst eigentlich nur mit Jeans und Stiefeln in die Stadt kommen und trotzdem innerhalb einer Woche eine tolle Studio Session mit tollen Leuten buchen.
Kontakte knüpfen ist also sehr einfach in Göteborg?!
Sebastian: Ja. Es hat natürlich eine Weile gedauert, bis ich dann so vernetzt war, dass ich mich so wohl fühlte und wusste, ok, ich kann mit meiner Vision bei dem super gut ankommen, und den brauche ich gar nicht erst zu fragen. Das braucht ja eine Weile. Ich habe dann aber auch sehr schnell die Sprache gelernt, was ich extrem wichtig finde. Die Leute da abzuholen wo sie sind. Sie sprechen natürlich alle exzellent Englisch und viele auch deutsch, sehr gut deutsch, aber mir war es wichtig, dann gleich ganz einzusteigen.
Wie wir gelesen haben, hat Fox Machine auch bei der Göteborg String Theory mitgewirkt.
Sebastian: Ja, es ist so dass nicht nur die Band mitgewirkt hat, sondern ich diese auch geleitet habe, zusammen mit meiner Frau.
Ja, das haben wir auch in Erfahrung gebracht. Die Idee der String Theory selbst, entstand jedoch 2007 in Berlin.
Sebastian: Ja genau, initiiert vom Komponisten Nackt und der Künstlerin Chérie der Band Warren Suicide, Elke Brauweiler sozusagen als Bratsche der Berlin String Theory, also des ursprünglichen String Quartetts, Beat Poet Yaneq, der jetzt bei Flux FM sein Arty Radio macht, und vielen Anderen. Der grundsätzliche Gedanke war, Künstler unterschiedlicher Genres und Kunstarten zusammenzuführen, und dann im Prinzip ein nicht kommerzielles Happening zu starten. Damals waren auch Gods of Blitz dabei. Im Sommer 2007 gab es dann zunächst ein Keller Konzert unter dem Festsaal Kreuzberg, und später eine dreitägige Aufnahme Session im Chez Chérie, mit abschließender Indoor Party vor 200 Durchgeknallten :)
Dann hat sich das weiter fortgepflanzt, das Wort ging rum, so dass die Volksbühne Kontakt aufnahm und die String Theory buchte. Das dortige Konzert, im Januar 2008, war restlos ausverkauft. Zu der Zeit kamen auch noch Kante und Tocotronic hinzu und Gods of Blitz spielten das letzte Stück.
Ich war vollkommen begeistert, wie durch reine Liebe und Energie, so viele coole, intelligente und inspirierte Leute zusammengeführt wurden :)
Was Sebastian sonst noch erzählte folgt in einem der nächsten Posts!
Bildquellen:
Sebastian Gäbel - Carolin Kraft
Gods of Blitz, Lido 2012 - Carolin Kraft
Gods of Blitz, Backstage im Lido 2007 - Gods of Blitz Facebook Page
Fox Machine - Band Tumblr
String Theory, Volksbühne - Wordpress
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